Übers Zweifeln, Schmerzen, das Stolpern und wie man wieder aufsteht.

Jahnsteig in Dunkelheit

Als ich am Samstag meine zweite Trainingseinheit starte, ist es bereits dunkel in Neubrandenburg. Beim Laufen erleuchtet mir nur meine Stirnlappe dem Waldweg zum Jahnstein. Heute steht die 150 stufige Treppe hinauf zum Jahnstein 20 Mal auf dem Programm.

Als ich am Fuße der Treppe stehe und hinaufblicke in die Dunkelheit, da weiß ich, dass mir diese Einheit wahrscheinlich schwer fallen wird. Vor ein paar Monaten waren zwanzig Anstiege des Jahnsteigs eine Leichtigkeit für mich und nicht selten habe ich die doppelte Anzahl absolviert.

Still ist es im Wald, als ich mit dem ersten Anstieg beginne. Während immer nur drei bis vier Stufen im Lichtkegel zusehen sind, denke ich zurück ans letzte Jahr. Doch was ist im letzten Jahr passiert, dass ich heute schon nach den ersten 150 Stufen ermüdet bin? Nach einem tollen Einstieg in die Trailrunning Saison freute ich mich auf einige Wettkämpfe in den Alpen. Der Einstieg erfolgte beim Elm Super Trail mit neuem Streckenrekord und hart erkämpftem Sieg. Da ich meine eigene Bestzeit beim Elm Super Trail aus dem Vorjahr deutlich unterbot fühlte ich mich auf der Langstrecke optimal vorbereitet.

Doch nur wenige Wochen später, zeigte sich bei meinem Marathon-Debüt in Neubrandenburg rund um den Tollensesee das Gegenteil. Schon beim Start am Morgen herrschten ungewöhnlich hohe Temperaturen (28 °C im Schatten) und die Runde bot nur wenige schattige Stellen. Als nach 18 km noch Magenprobleme einsetzten, musste ich meine erhofften Siegesvorstellungen aufgeben und den späteren Sieger vorbei ziehen lassen. Die zweite Hälfte quälte ich mich ins Ziel und erreichte enttäuscht den zweiten Platz mit einer Zeit von 3:11:00 Stunden.

Ich schaute auf meine Uhr, als meine Gedanken sich wieder auf die heutige Trainingseinheit konzentrieren. Innerhalb von knapp 57 Sekunden habe ich die 150 Stufen absolviert. Der Puls steigt auf knapp 180 Schläge und ich bin außer Atem. Doch eine Pause gönne ich mir nicht, denn es geht wieder runter und dann gleich wieder rauf. Über 40 Minuten verbringe ich in völliger Dunkelheit mitten im Wald und so habe ich viel Zeit zum Nachdenken. Meine Gedanken wandern wieder zurück zum letzten Sommer. Erst nach meiner Enttäuschung beim Marathon begann die wirkliche Misere.

Ab diesem Zeitpunkt erfolgte das Training nur noch unter Schmerzen in der Hüfte und im Knie. Nach einer längeren Trainingspause wagte ich im Urlaub in Dänemark einen neuen Einstieg ins Training und musste dieses nach nur wenigen Tagen wieder beenden. An jenen Tag waren die Schmerzen nicht mehr zu ertragen und die Muskeln blockierten beim Training. Ich war enttäuscht und wütend über mich selbst, denn all die großen Hoffnungen für die neue Saison schwanden in diesem Moment dahin. Vielen Minuten vergingen bis die Schmerzen wieder erträglicher waren und ich zur Straße humpeln konnte, dort ließ ich mich abholen. Ans Laufen war ab diesem Tag nicht mehr zu denken, auch wenn ich es mir sehr gewünscht hätte.

Im Herbst und Winter lief ich nur noch kleine Runden und schob die Rückkehr in den Trainingsalttag immer weiter auf. Bei jeder Einheit hatte ich Probleme mit den Füßen, Knien und der Hüfte. Laufen fiel mir immer schwerer, es machte keinen Spaß mehr und wurde zu einer lästigen Tagespflicht. Ich legte in diesen Wochen immer mehr Gewicht zu und meine Kondition sank. Gleichzeitig wurde es mit jedem Tag immer schwerer die Motivation zum Training zu finden.

Ich stolperte. Plötzlich wurde ich aus meinen Gedanken gerissen und befand mich wieder in Dunkelheit auf dem Jahnsteig. Blitzschnell fing ich mich mit den Händen ab und konnte so einen schweren Sturz vermeiden. Irgendwo da draußen im Wald rief eine Eule und in der Nähe raschelte irgendein Tier im Laub. Ich fragte mich, ob ich für heute aufhören sollte zu trainieren? Nein, so ein kleiner Sturz hält mich nicht auf! Ich drückte mich wieder in Höhe und lief weiter Stufe für Stufe die Treppen rauf. Ich wusste, ich bin zurück! In den letzten Wochen habe ich mich über jeden Kilometer gequält oder litt an Zweifeln und Schmerz. So wie heute habe ich mich in den letzten Wochen wieder aufgerappelt. Es hat sich gelohnt, denn der Laufsport hat wieder Einzug in meinen Leben gefunden.


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Durch die Dünen von Dänemark

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Neun Tage in Dänemark vergehen wie im Fluge. Besonders wenn man zwei Mal täglich trainiert, dabei ist der normale Tag schon für ein zweites Training immer etwas zu kurz. Mir ist es aber gelungen neben dem Training noch etwas Zeit am Strand zu verbringen, die Vuelta mit meinem Vater im TV zu verfolgen und allen Familienaktivitäten halbwegs beizuwohnen.

Die ersten 3 Tage begannen noch ruhig, weil ich am Sonntag beim Storåløbet Holstrebro 2014 über die Halbmarathon-Distanz starten wollte. Am ersten Tag freute ich mich auf ein „gemütliches“ Läufchen durch die Hinterlandschaft der Dünen. Ich wollte dabei die alten Strecken, vor drei Jahren in Dänemark, wieder entdecken und neue Pfade aufzuspüren.

Hinter den Dünen entdeckt man die wirkliche Abwechslung von Dänemark. Für mich ist es ein Rätsel, was Leute begeistert am Strand entlangzulaufen. In diesem Urlaub hab ich leider wieder den Fehler gemacht und war am Strand laufen. Dabei läuft man möglichst nah am Meer um nicht völlig im Sand zu versinken. So schwappt auf der einen Seite das Wasser und auf der anderen der lockerer Sand. Nach drei Kilometer hin und zurück ist man doch mit jeden Schritt im Sand eingesunken und die nassen Füße sind mir auch nicht erspart geblieben. Die Abwechslung im ewigen Sand und am Wasser sind dann vier tote Quallen und ein Krebs, der mich beim Fotografieren in den Finger zwicken wollte, gewesen.

Die Hinterlandschaft jedoch bietet verschlungene und vermooste Waldpfade, sowie mit Gras bewachsene sandige und hüglige Wege durch die Dünen. Dort fühlte ich mich ab dem ersten Trainingstag wohl. Im zügigen Tempo sauste ich durch die Wälder, sprang über sandige Stellen, kämpfte mich die Dünen hoch und runter. Am Ende zeigte dann meine Uhr für diesen „gemütliche“ Dauerlauf von 20 km einen Durchschnitt von 4:16 min pro Kilometer an. Am nächsten Tag war ich dann nicht mehr so flink unterwegs…..

Am Sonntag kam dann der Wettkampf in Holstebro. Auf dem Militärgelände mit einer geteerten Laufbahn wurde gestartet. Weit über 1000 Läufer sind auf unterschiedlichen Strecken an dem Start gegangen.

Ich stellt sofort fest, dass sich die Dänen nicht Einlaufen, denn ich sah nur wenige Sportler sich warm machen. Aus diesem Grund führten sie vermutlich ein gemeinschaftliches Aufwärmprogramm ein. In der Mitte des Sportplatzes führte eine Person ein Programm von Step- und Dehnübungen vor und erklärte diese über ein Mikrofon. Auf dem ganzen Sportplatz wurden die Übungen nachgeahmt und so beteiligten sich von jung bis alt viele hunderte Läufer freudig und begeistert am Programm. Bei unseren Volksläufen wäre so ein Spektakel undenkbar.

Der Wettkampf war nicht sonderlich spannend. Die Strecke bestand zum großen Teil aus Straßen oder geschotterten Wegen, mit einigen großen Steigungen. Als Trailläufer bin ich erst auf den letzten 1500 m auf die erhofften abwechslungsreichen Pfaden gestoßen.

Die Dänen liefen recht gemütlich los, vermutlich weil sie sich nicht einlaufen. So befand ich mich gleich zu beginn an der Spitze. Ab drei Kilometer ließ ich den dänischen Lokalmatador, der das Wasser an dem Verpflegungsständen gereicht bekam, aufschließen. Bis Kilometer 10 liefen wir zusammen, ab dann musste ich ihn ziehen lassen. Blieb jedoch noch einige Kilometer in „Schlagweite“. Ab 14 Kilometer hatte ich einen kleinen Einbruch und musste deutlich Tempo raus nehmen. Weitere Verfolger ließen sich nicht blicken und so erreichte ich als Zweiter das Ziel auf der geteerten Bahn.

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Crosstraining in den Dünen

Als Belohnung für einen zweiten Platz und einer Laufzeit von 1:20:23 h winkte dann das „dicke Preisgeld“ von 500 Kronen….

Die zweite Trainingswoche begann gleich wieder am nächsten Tag. Der Muskelkater in den Waden von dem Halbmarathon und den ersten Tagen in den Dünen wurde ignoriert. Am Montag und Dienstag wurde erst mal locker trainiert. Am Mittwoch dann mein neues Crosstraining: Sechs Mal 1000 m mit 3 min Pause durch die Dünen. Auf schmalen Pfaden jagte ich über einen Rundkurs hoch und runter bis mir schlecht wurde. Ein abwechslungsreicheres Training wird es nicht geben: Kraft am Hügel, Tempowechsel in Kurven, lange Schritte in den Flach- und Abwärtspassagen, sowie Sand und noch mehr Sand. Danach wurde sich in der Nordsee erfrischt und somit mit meiner Familie der Laufurlaub Familienurlaub verbracht

Am Freitag war dann das ganze Dänemarkspektakel vorbei und es ging zurück nach Deutschland. In dieser Woche, nach dem Halbmarathon, erreichte ich letztendlich 122 km, also eine guter Start aus meiner Sommerlaufpause.


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Training für Sierre-Zinal! Woche 3-6 (07.07 – 27.07.14)

In 11 Tagen geht es los nach Sierre! Hier noch ein kleiner Rückblick meines Trainings der letzten drei Wochen. Aus zeitlichen Gründen ist es mir nicht gelungen mein Training früher zusammenzuschreiben. Gestern habe ich dieses nachgeholt. In diesen Wohen lag der Fokus auf einige Wettkämpfe, aber nur die sorgen für Wettkampf härte. Hier mein Training:

 


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Treppentraining „hoch oben“ auf der Jahnshöhe

Wenn man die Berge nicht vor der Haustür hat und nur mit kleinen Hügeln vorlieb nehmen muss, dann schaut man sich nach Alternativen um. Ich habe meine am Jahnsteig gefunden, eine 150 stufige Treppe im Wald von Neubrandenburg. Keine Stufe gleicht der anderen in Höhe und Breite.

Während dieses Trainings findet man keine Trailrunning-Romantik, keine Aussicht belohnt die Strapazen, keine abwechslungsreichen Pfade und Landschaften. Eine knappe Minute rauf und wieder eine knappe Minute runter, dabei läuft der Schweiß in Strömen. Man verliert Zeit und Anzahl der Anstiege aus den Augen, nur ein Blick auf die Uhr verrät mir diese Information. Der Kopf schaltet ab und wird völlig leer. Nur ein Stolpern reißt mich hin und wieder aus dieser Trance, doch nach zwei weiteren Treppenanstiegen hat der Kopf wieder abgeschaltet.

Irgendwann ist das Ende nah, die letzten fünf Anstiege werden oft noch mal eine Herausforderung, denn die Beine sind schwer und verlangen eine Pause. Aber eine Pause gibt es in diesem Training nicht, nur rauf und runter. Dann ist es soweit, dass letzte Mal rauf zum Jahnstein, nur noch 150 Schritte. Dann ist es vorbei. Kein Berg wurde dann errungen, doch die Jahnshöhe wurde wieder 35mal bezwungen!

So sieht dann später meine Höhen- und Herzfrequenzkurve aus:

Höhenkurve

Die Höhenkurve beim Treppentraining an der Jahnshöhe

Mein Herfequenzverlauf beim Training in „lufigen“ Höhen.


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Training für Sierre-Zinal! Woche 2 (30.06. – 06.07).

Nächste Trainingswoche ist mit 132 km und einigen zusätzlichen Übungen beendet. Am Samstag war ich dann fix und fertig, somit konnte ich kein zweites Training absolvieren. Hier mein Training der letzten Woche:

Training für Sierre-Zinal. Zweite Woche.

Training für Sierre-Zinal. Zweite Woche.


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